Triggerpunkte: Übersicht, Symptome und Ursachen | backlaxx®

Triggerpunkte – Myogelosen

Was Triggerpunkte (Myogelosen) sind, die Symptome und welche Ursachen zu diesen kleinen Knötchen in der Muskulatur führen. All das ist auf dieser Seite zu finden.
Triggerpunkte entstehen durch dauerhafte Muskelverspannungen und bilden kleine Knötchen aus ähnlich wie krampfenden Muskulatur.

  Lesedauer: 20 min

by Roland Späht | 14.08.2018

Bewertung:


1. Zuerst lesen!

Was erfährst Du in diesem Artikel?

Wir möchten Dich an dieser Stelle über Ursachen, Symptome, Diagnosemöglichkeiten und therapeutische Maßnahmen bei Triggerpunkten informieren. Darüber hinaus werden alternative Behandlungsmethoden beschrieben, die Dir eine Linderung verschaffen sollen.

Wie ist dieser Artikel zu lesen?

Du hast von Triggerpunkten schon mal gehört und möchtest Dir einen kurzen Überblick über die Erkrankungen verschaffen?

  • Schaue Dir das Video oberhalb an (bald auf unserem YouTube-Kanal) oder fühle Dich frei den Artikel zu überfliegen und lese das was Dich interessiert.

Du möchtest dir einen Überblick von möglichen Triggerpunkten verschaffen?

Du hast bereits Rückenbeschwerden und versuchst Dich über mögliche Ursachen aufzuschlauen?

  • Lese Dir als erstes die Symptome durch, wenn sie teilweise oder gänzlich auf Dich zutreffen ist es sinnvoll den kompletten Artikel zu lesen.


Du leidest bereits an Triggerpunkten und bist auf der Suche nach Behandlungsmöglichkeiten, die Dir eine Linderung verschaffen?

Du hattest bereits Triggerpunkte und möchtest diesen vorbeugen?


2. Was sind Triggerpunkte?

Triggerpunkte oder auch Myogelose (Muskelverhärtung) genannt, sind kleine Knötchen in der Muskulatur oder den Faszien in einem krampfähnlichen Zustand. Sie sind schmerzempfindlich auf Druck, Zug und können auch in entfernteren Bereichen des Körpers Schmerzen übertragen. Sie entstehen durch Überbeanspruchungen oder Unterbeanspruchungen der Muskulatur.

Triggerpunkte entstehen hauptsächlich durch eine dauerhafte Überlastung der Muskulatur ohne dies durch Sport und/oder muskelentspannende Maßnahmen auszugleichen.

Triggerpunkt entstehen in vielen Muskeln des Körpers und können ausstrahlende Schmerzen in anderen Körperregionen verursachen

Überbeanspruchung:
Eine Überbeanspruchung entsteht, wenn lange monotone, gleichbleibende Bewegungsabläufe z. B. am

  • Arbeitsplatz - gebückte Haltung eines Chirurgen bei Operationen oder
  • beim Sport - Fahrradtouren über mehrere Tage hinweg

stattfinden.

Das Problem dabei ist, dass über einen längeren Zeitraum immer die gleichen Muskelpartien beansprucht werden, ermüden und überlastet sind. Im Laufe der Zeit führt dies zu Verspannungen und zur Ausbildung von Triggerpunkten. Dies ist jedoch von der körperlichen Konstitution jedes einzelnen abhängig und Faktoren wie Ernährung, Schlaf und Stresslevel.

Unterbeanspruchung:
Die Unterbeanspruchung ist eine Folge aus unserem modernen Lebensstil, langes Sitzen am Schreibtisch und wenig Bewegung, Dadurch werden die einzelnen Muskeln über Stunden hinweg in einem gedehnten oder verkürzten Zustand gehalten und es findet kein Ausgleich durch z. B. Training statt.

Äußere Kräfte:
Eine weitere Ursache wie Triggerpunkte entstehen können sind einwirkende Kräfte von außen, wie z.B. ein Schlag auf den Oberschenkel oder das ruckartige Überdehnen von Muskelsträngen.


3. Übersicht der Triggerpunkte

Die dargestellte Übersicht der Triggerpunkte ist eine Auswahl, die nach folgenden Kriterien definiert wurde:

  • der Triggerpunkt befindet sich am Hals, Nacken, Schulter oder Rücken,
  • der Triggerpunkt löst einen Übertragungsschmerz (reffered pain) in den Rücken aus, 
  • der Rücken verursacht den Triggerpunkt z.B. durch eine Skoliose

Triggerpunkte im Hals und Nacken

Triggerpunkte in den Muskeln des Halses und Nackens. Neben den Schmerzen, die sie an der auftretenden Stelle verursachen, können sie auch häufig Kopf- und Nackenschmerzen auslösen, sowie die Beweglichkeit des Halses und Kopfes einschränken.

Trapezmuskel oberer / mittlerer / unterer  - M. trapecius descendens / transversus / ascendens

Großer Kopfwender zur Mitte und seitlich verlaufend - M. sternocleidomastoideus caput mediale/laterale

Zweibäuchiger Muskel vorne und hinten - M. digastricus posterior / anterior | "Platte" - Platysma

Riemenmuskel des Kopfes und Halses - M. splenius capitis und cervicis

Halbdornmuskel des Kopfes - M. semispinalis capitis | kurze Nackenmuskeln (lat. musculi suboccipitales)

Triggerpunkte Rücken und Schultern

Triggerpunkte in den Muskeln des oberen Rückens und der Schultern.

Schulterblattheber - M. levator scapulae | Treppenmuskeln - M. scaleni

Obergrätenmuskel - M. supraspinatus | Untergrätenmuskel - M. infraspinatus

kleiner Rundmuskel - M. teres minor | großer Rundmuskel - M. teres major

​​​​großer Rückenmuskel - M. latissimus dorsi | Unterschulterblattmuskel - M. subscapularis

großer und kleiner Rautenmuskel - M. rhomboideus major/minor | Deltamuskel - M. deltoideus

Hakenarmmuskel - M. coracobrachialis | Trizeps - M. triceps brachii

Triggerpunkte Brust und Bauch

Triggerpunkte in den Muskeln der Brust und des Bauches.

Großer und kleiner Brustmuskel  - M. pectoralis major / minor

Vordere Sägemuskeln - M. serratus anterior | Hintere Sägemuskeln - M. serratus posterior superior / inferior

Gerade Bauchmuskeln - M. rectus abdominis | Pyramidenmuskel - M. pyramidalis

Äußerer und innerer schräger Bauchmuskel - M. obliquus externus / internus abdominis

"Aufrichter der Wirbelsäule" - M. erector spinae

Quadratischer Lendenmuskel - M. quadratus lumborum

Triggerpunkte Hüfte und Beine

Triggerpunkte in der Hüfte und Beinen, die durch den Rücken verursacht werden oder dorthin ausstrahlen.

Lenden-Darmbeinmuskel - M. iliopsoas | Großer Gesäßmuskel - M. gluteus maximus

Kleiner Gesäßmuskel - M. gluteus minimus

Mittlerer Gesäßmuskel - M. gluteus medius | Birnenförmiger Muskel - M. piriformis

Triggerpunkte Schienbein und Wade

Triggerpunkte im Unterschenkel oder Fuß haben selten was mit Rückenschmerzen zu tun. Es gibt allerdings zwei Ausnahmen, die nachfolgend dargestellt werden. Der Triggerpunkt im vorderen Schienbeinmuskel kann durch einen Bandscheibenvorfall im 4, oder 5. Lendenwirbel entstehen. Der Triggerpunkt im Schollenmuskel kann in seltenen Fällen zu Schmerzen im Bereich des Iliosakralgelenks führen.

Vorderer Schienbeinmuskel  - M. tibialis anterior | Schollenmuskel - M. soleus


4. Symptome

Das vordergründigste Symptom ist natürlich der Triggerpunkt selbst und die damit verbundenen Schmerzen. Allerdings bringen diese Knoten weitere Beschwerden mit sich. 

  • Leitsymptome
  • Begleitsymptome

Myogelosen haben alle acht gleiche Grundsymptomatiken:

  1. Local-Twitch Response
    Beim Massieren der schmerzenden muskulären Stelle kommt es zu einem "zucken" des Muskels wo der Triggerpunkt vermutet wird.
  2. Referred Pain:
    Bei einer Schmerzprovokation am Triggerpunkt selbst z.B. durch drücken können Beschwerden in einem anderen Bereich des Körpers ausgelöst werden.
  3. lokale Übersäuerung:
    Ein niedriger pH-Wert entspricht einer leicht sauren Lösung im Gewebe, welche dann die Muskelnozirezeptoren reizt und Schmerzen auslöst.
  4. Entzündungen:
    Der amerikanische Forscher Jay Shah konnte an den Triggerpunkten ein erhöhte Konzentration an entzündungsbeteiligten Neuropeptiden nachweisen.
  5. Schmerzen:
    Triggerpunkte verursachen Schmerzen entweder dauerhaft (primär) und/oder bei Druck- oder Zugbelastung (latent). Meist werden sie als dumpf, ziehend, bohrend oder stechend beschrieben.
  6. Muskelschwäche:
    Der betroffene Muskel zeigt eine überhöhte Reaktivität d.h. der Anspannungsgrad des Muskels bei Aktivität ist zu hoch. Im Gegensatz dazu verzögert sich die Entspannung. Diese Kombination führt zu einer schnellen Ermüdung und der Muskel fühlt sich schwach und ausgelaugt an.
  7. Muskelverhärtungen (Hartspann):
    Die umgebende Muskulatur ist beim Ertasten verhärtet.
  8. Triggerpunktketten:
    Bestehen bereits seit längerem myofasziale Probleme, die nicht behandelt werden, kann zu sogenannten Triggerpunktketten kommen. Diese liegen dann in derselben kinetischen Kette, sie also miteinander verbunden. Oftmals ist die Bildung von Triggerpunktketten mit chronischen Schmerzen verbunden.

Wichtig!

Eine Beschreibung der einzelnen Triggerpunkte, dessen genauen Symptome und deren Behandlung findet Ihr in unserer Rubrik "Triggerpunktmassage".


5. Ursachen

Wie schon zu Beginn erwähnt ist die Hauptursache für die Entstehung von Triggerpunkten eine Über- oder Unterbeanspruchung der Muskulatur. Darüber hinaus gibt es noch viele weitere Gründe, die ebenfalls in Frage kommen.

Direkte Ursachen

Als direkte Auslöser von Myogelosen gelten

Das Cinderella-Prinzip besagt, dass bei geringer körperlichen Anstrengung das Rotationsprinzip der Muskulatur nicht erfolgt. Somit sind immer die gleichen Muskelstränge unter Last und eine Überlastung ist schneller erreicht. Verhärtungen und Triggerpunkte sind das Ergebnis.

Eine Überlastung der Muskulatur kann auch bei geringer körperlicher Anstrengung entstehen - Cinderella-Prinzip

  • Überlastung der Muskulatur
    durch monotone Arbeitsabläufe, Trainingseinheiten beim Sport (Aufschlagtraining beim Tennis), beim Spielen eines Instruments. Auch eine Skoliose kann durch eine dauerhafte Überdehnung der Rückenstreckmuskulatur zu einer Überbeanspruchung führen.

    Allerdings können auch Computerarbeitsplätze zu einer Überbeanspruchung führen. Hierfür spricht die "Cinderella-Hypothese". Diese beruht auf dem sogenannten Rotationsprinzip, dabei werden Muskelgruppen abwechselnd belastet. Dadurch können Daueraktivitäten lange aufrecht erhalten werden.

    Unter gewissen Umständen kann es hier zu Störungen kommen und zwar bei Aktivitäten, die nur eine geringe Belastung darstellen. Die Folge ist, dass der Körper das Rotationsprinzip ausschaltet, weil die Signale an das zentrale Nervensystem (Rückenmark, Gehirn) zu schwach sind. Das Ergebnis sind überbeanspruchte Muskelfasern, während andere inaktiv bleiben.
  • Unterbeanspruchung der Muskulatur
    durch dauerhaftes unergonomisches (buckeliges) Sitzen am Arbeitsplatz. Dabei werden Muskelgruppen über Stunden hinweg überdehnt und der Gegenpart, die Brust- und Rumpfmuskulatur ist verkürzt.
  • Einwirkende Kräfte durch einen Schlag oder Unfälle
  • Ruckartige unnatürliche Bewegungen z.B. beim verhindern eines Sturzes
  • Dauerhafte Überdehnungen bei Sportarten wie Ballett oder Kunstturnen

Indirekte Ursachen

Neben direkten gibt es auch indirekte Ursachen die zu Triggerpunkten führen können.

  • Primäre Triggerpunkte
    entstehen meist durch eine Überbeanspruchung der Muskulatur und erzeugen eine Schmerzübertragung in andere Bereiche. Dort können dann sogenannte Satelliten-Triggerpunkte entstehen.
    Des Weiteren ist es möglich, dass der primäre Triggerpunkt bei unterstützenden Muskeln (Synergist) oder bei entgegenwirkenden Muskeln (Antagonist) sogenannte sekundäre Triggerpunkte erzeugt. Dabei spricht man von Triggerpunktketten.
  • ISG- oder Wirbelblockaden
    können ebenfalls zu Triggerpunkten führen und sollten bei der Mobilisation mit behandelt werden.
  • Erkrankungen,
    die zu einer Schonhaltung führen wie Osteoporose oder Arthrose.
  • Bandscheibenvorfall oder ein eingeklemmter Nerv
    können im betroffenen Bereich zu Triggerpunkten führen.

Auflösung von Triggerpunkten

Eine ganze Reihe von Faktoren lassen die Auflösung, selbst in Behandlung befindlicher Triggerpunkte, nicht zu. Dazu gehört u.a. das Krankheitsbild des Rundrückens. Dabei ist es unerheblich ob dieser durch eine schlechte Haltung oder primäre Erkrankungen, wie Morbus Scheuermann, Morbus Bechterew oder Morbus Paget, hervorgerufen wird. Das Ergebnis ist eine Überdehnung der Schultermuskulatur (M. infraspinatus). Kann diese Fehlhaltung nicht geändert werden ist eine Auflösung des Triggerpunkts nur schwer möglich.

Sport ist wichtig um die Muskulatur resistenter gegen Überlastung zu machen. Außerdem wirkt Bewegung entspannend auf die Muskeln.

Bewegung wirkt entspannend auf die Muskulatur, Bewegungsmangel fördert die Manifestation von Triggerpunkten

Risikofaktoren wie Bewegungsmangel, Übergewicht, Kraftlosigkeit, fehlende Beweglichkeit und nicht ergonomische Möbel tragen zur Bildung von Myogelosen bei. Weitere Einflüsse auf die Bildung von Triggerpunkten ist eine Schilddrüsenunterfunktion, Kälte, Nässe und Zugluft.

Stress und Angst - beide Zustände führen zu einer kettenreaktionsartigen Ausschüttung von Hormonen (CRH, ACTH, Cortisol, Cortison, Adrenalin und Noradrenalin). Ursprünglich waren diese dafür da Energiereserven in Notsituationen freizusetzen was auch eine Anspannungen der Muskulatur zur Folge hat. Sind dauerhaft Stress und/oder Angst im Leben verhaftet herrscht ständig ein gewisser Anspannungsgrad im Körper, der verhindert, dass Triggerpunkte dauerhaft aufgelöst werden können.

Fehlende Nährstoffe beeinflussen den Zustand unserer Muskeln stark. Hier geht es vor allem um Magnesium und Kalzium, beides muss im richtigen Verhältnis zueinander über die Nahrung zugeführt werden. Herrscht ein Mangel an Magnesium oder ein Überangebot an Kalzium führt dies zu einer krampfenden Muskulatur. Weitere wichtige Nährstoffe um dauerhaft Triggerpunkte zu vermeiden sind die Vitamine B1, B6, B12 und Folsäure, sowie Kalium und Eisen.


6. Diagnose

Die Medizin arbeitet noch an der umfassenden Erforschung von myofaszialen Triggerpunkten. Somit ist der behandelnde Arzt bei der Diagnose auf die Aussagen des Patienten und die körperliche Untersuchung angewiesen. Jedoch wurden in den letzten Jahren Merkmale identifiziert, die für ein Vorhanden sein von Myogelosen sprechen.

  • Die Stelle des Triggerpunktes weist einen stark verminderten Sauerstoffgehalt auf.
  • Selbst bei Verstorbenen wurden Triggerpunkte gefunden, dies bedeutet, dass der Körper diese nicht aktiv beeinflussen kann. Man spricht dabei von einem lokalen pathologischen Zustand.
  • Die elektrische Aktivität in einem Triggerpunkt ist ca. 10 mal so hoch wie in einem gesunden Muskel.
  • Der pH-Wert von 4 liegt im Triggerpunkt weit unterhalb des Normalwertes von Blut mit 7,4.
  • Vorhanden sein von entzündungsbeteiligten Neuropeptiden.

Solche Merkmale sind bei einer herkömmlichen Untersuchung nicht vorgesehen, weil dies nur mittels einer Punktion des Triggerpunkts, Laboruntersuchungen und spezieller Messtechnik möglich ist.

Untersuchung

Die Untersuchung beginnt mit dem Patientengespräch (Anamnese) und folgenden Fragen:

  • Wo schmerzt es?
  • Seit wann haben Sie Schmerzen?
  • Was verstärkt die Schmerzen und was vermindert sie?
  • Was vermuten Sie als Ursache für die Schmerzen?

Dies sollte dem Arzt erste Anzeichen geben was die Ursache sein könnte und was nicht. Schließlich müssen andere in Frage kommenden Erkrankungen ausgeschlossen werden.

Fragen zum Lebensstil bzgl.

  • Sport,
  • sitzende Tätigkeit oder körperliche einseitige Belastung
  • Stress und Ängste im Alltag

sollten ebenfalls Bestandteil des Patientengesprächs sein. Vor allem soziale und psychische Faktoren wie die Situation am Arbeitsplatz, in der Familie oder die Lebenseinstellung werden heute immer wichtiger und müssen bei der Therapie berücksichtigt werden.

Bei der körperlichen Untersuchung wird der Arzt zuerst die Körperhaltung betrachten, hierbei soll auffallen ob der Patient bereits eine Schonhaltung eingenommen hat bzw. ob ein Rundrücken oder eine Skoliose vorhanden ist. Zudem soll festgestellt werden ob ungewöhnliche Abweichungen der Körperabmaße vorhanden sind und wie die ganzheitliche körperliche Verfassung (Trainingszustand) aussieht.

Anschließend sollte die Beweglichkeit und die damit auftretenden Schmerzen getestet werden. Dazu beugt sich der Patient nach vorne (Flexion) und nach hinten (Extension). Ebenso ist die Beweglichkeit zur Seite, die Drehbarkeit und das Gangbild zu überprüfen. Dabei sollte aufgezeigt werden welche Bewegung schmerzt. Meist wird dadurch eine eingeschränkte Beweglichkeit und ein unsicherer Gang zum Vorschein kommen. Das Testen der Dehnbarkeit und der Kraft geben ebenfalls Aufschluss ob muskuläre Probleme vorliegen.

Bei Rückenschmerzen sollte ein Abtasten der Rückenmuskulatur nach Muskelverhärtungen und Triggerpunkten standardmäßig durchgeführt werden.

Ein Abtasten (Palpation) des Rückens nach Verhärtungen und knotigen Stellen gehört zur körperlichen Untersuchung dazu

Der behandelnde Arzt sollte zudem den Rücken nach Muskelverhärtungen und knotige Stellen abtasten (palpatieren) sowie die Reflexe der Arme und Beine testen um neurologische Probleme auszuschließen. Ist bis dato die Diagnose noch unsicher, kann eine Röntgenaufnahme weiteren Aufschluss geben.

Ist der Befund eindeutig kann bereits bei der Erstuntersuchung eine Probebehandlung durchgeführt werden. Dies erfolgt durch Dehnung, Anspannungstests und ausüben von Druck auf den Triggerpunkt. Evtl. fallen hier schon Probleme in anderen Muskelgruppen auf. Bessert sich der Zustand des Betroffenen kann die Therapie festgelegt werden.

Tritt keine Besserung auf sind weitere diagnostische Maßnahmen erforderlich um evtl. indirekte Ursachen zu ermitteln.


7. Triggerpunkttherapie

Hauptsächlich werden bei der Triggerpunkttherapie 4 manuelle Techniken eingesetzt. Neben diesen können Triggerpunkte auch mittels 

  • gezielten Rückenübungen (Dehnung und Kräftigung)
  • Dry Needling - Akupunkturnadeln werden gezielt in die Triggerpunkte gestochen
  • Injektion eines Lokalanästhetikums
  • Elektrostimulation (TENS - Transkutane elektrische Nervenstimulation), dabei werden mittels Hautelektroden hochfrequente elektrische Impulse direkt in die schmerzende Stelle geleitet. Diese Impulse reizen die Nerven womit verhindert werden soll, dass die vorhandenen Schmerzsignale an das Gehirn weitergeleitet werden.
  • Stoßwellentherapie - Triggerpunktbehandlung mittels Schallimpulsen

Manuelle Therapie

Insgesamt gibt es vier manuelle Techniken die zur Tiggerpunktbehandlung eingesetzt werden können.

Bei der ischämischen Kompression am großen Rautenmuskel wird die entzündliche Suppe aus dem Muskel gedrückt.

Bei der ischämischen Kompression am großen Rautenmuskel (lat. musculus rhomboideus major)

  1. Technik - Ischämische Kompression:
    Dabei wird mittels Druck gegen einen Knochen, z.B. Schulterblatt oder zwischen Daumen und Zeigefinger (Zangengriffpalaption) komprimiert. Ziel ist es die saure und entzündliche Gewebeflüssigkeit aus dem Muskel zu drücken. Die Kompression soll statisch erfolgen, d.h. keine Massagebewegung oder Ähnliches.

    Der angewendete Druck ist von Schmerzintensität abhängig die der Patient verspürt. Wobei hier an die Schmerzgrenze gegangen werden sollte. Die Dauer beträgt 15 - 60 Sekunden und wird nach kurzen Pausen so lange ausgeübt bis der Schmerz abnimmt und ein "Aufweichen" des Triggerpunktes unter dem Finger spürbar ist.
  2. Technik - manuelle Dehnung:
    Die Myogelose wird wie bei der ischämischen Kompression mit Druck beaufschlagt. Jedoch werden jetzt zusätzlich langsame, gleitende Bewegungen ausgeführt. Hinzu kommt, dass der Patiente langsame, kleinräumige Bewegungen mit dem betroffenen Muskel ausübt während der Finger oder das Massagegerät an Ort und Stelle verbleibt. Bei der manuellen Dehnung gilt das Gleiche bzgl. Druck, Dauer und Wiederholung wie bei Technik 1.
  3. Technik - Dehnung der oberflächlichen und muskulären Faszien:
    Die Daumen beider Hände oder die Knöchel der Faust/Fäuste werden mit kräftigem Druck und anschließender Bewegung der Haut gegen die Faszien über die ganze Länge des Muskels verschoben. Man kann sich das wie das Kneten und ausrollen eines Teiges vorstellen. Dieses "ausstreifen" erfolgt meist von der Körpermitte weg nach außen. Dies regt den Stoffwechsel an und verbessert die Beweglichkeit.
  4. Technik - lösen von im Muskel befindlichen Gleitschichten:
    Diese Technik wird angewendet um Verklebungen zwischen den Muskelschichten und Faszien zu lösen. Die anschließenden besseren Gleiteigenschaften verbessern die Beweglichkeit. Dabei benutzt der Therapeut beide Hände und nimmt zwischen den Daumen und Zeigefingern eine große Hautfalte im Bereich des Triggerpunktes.

Wichtig!

Die vorgestellten Techniken sind sehr schmerzhaft. Um eine Wirksamkeit zu erzielen muss auch teilweise bis an die Schmerzgrenze gegangen werden.

Was spricht gegen eine Triggerpunktbehandlung?

Wie oben beschrieben sind die manuellen Techniken sehr druck- und schmerzintensiv. Aufgrund dessen sollte bei folgenden Gründen von einer Behandlung abgesehen bzw. nach einer Risikoabwägung entschieden werden.

Gründe, die gegen eine Therapie sprechen sind:

  • Der Patient wird aufgrund einer Krebserkrankung bestrahlt. Dabei kann eine Strahlenfibrose entstehen, welche zu Vernarbungen auf der Haut führt.
  • Der Patient nimmt Blut gerinnende Medikamente oder leidet an eine Blutgerinnungsstörung. Bei einer Behandlung kann es dann zu massiven Einblutungen ins Gewebe kommen.


Gründe, die eine Risikoabwägung erforderlich machen:

  • akute Muskelverletzungen vor (z.B. Muskelfaserriss)
  • frische Knochenbrüche
  • akute Gelenkverletzungen
  • Hauterkrankungen oder -verletzungen
  • Osteoporose
  • bösartiger Tumor
  • akute Infektionen oder Entzündungen
  • nicht erträgliches Schmerzlevel des Patienten während der Behandlung

Alternative Behandlungsmethoden

Neben der Behandlung beim Physiotherapeut oder Arzt stehen einige Alternativen zur Behandlung von Triggerpunkten zur Verfügung.

Triggerpunktmassage und Übungen

Für die Selbstmassage gibt es mehrere Möglichkeiten:

  • Druck durch die eigenen Finger direkt auf den Triggerpunkt
  • Die knubbelige Stelle zwischen Daumen und Zeigefinger nehmen und Druck ausüben
  • Massage mit dem eigenen Fingerknöchel oder des Handballens
  • Benutzen von Massagegeräten, wie Igelball, Massagestab, Massageball, Faszienrollen

Eine Massagestab für Triggerpunkt kann für eine ischämische Kompression an schlecht zugänglichen Stellen am Körper wie z.B. dem Rücken verwendet werden.

Bei der Selbstmassage von Triggerpunkten erreicht man mit einem Massagestab auch schlecht zugängliche Stellen

In unserer Rubrik Triggerpunktmassage findet ihr zu jedem oben genannten Triggerpunkt einen Steckbrief mit

  • genauen Symptomen,
  • Ursachen, die zu diesem Triggerpunkt führen,
  • einer Anleitung wie Ihr die Myogelose finden könnt,
  • welcher Massagetechnik und -gerät Ihr arbeiten müsst und
  • welche Übungen euch zusätzlich helfen.

Akupressurmatte

Eine Akupressurmatte ist eine gute Ergänzung um die knotigen Muskelpartien zu behandeln. Diese löst durch die vielen einzelnen Nadeln ebenfalls Druck auf die betroffenen Muskeln aus und fördert gleichzeitig die Durchblutung und die Lymphzirkulation. Dies wiederum ist dem Abtransport der "entzündlichen Suppe" im Muskelgewebe zuträglich.

Des Weiteren werden Glückshormone freigesetzt, die Schmerzen lindern, ein Wohlgefühl erzeugen und somit zu einer Entspannung führen. In Kombination mit einer progressiven Muskelentspannung sind das alles Faktoren, die positiv auf eine verhärtete Muskulatur einwirken, sie entspannen und nachhaltig vermeiden.

Heilkräuter und Heilpflanzen

Die Naturheilkunde liefert ebenfalls Möglichkeiten durch spezielle Salben und die Einnahme von homöopathischen Kügelchen, die Muskulatur und sich geistig zu entspannen. Empfohlen werden an dieser Stelle Arnika und Bryonia.

Den Einsatz von ätherischen Ölen für eine Aromatherapie wirken entspannend, belebend und schmerzlindernd.

Schüssler Salze

Schüssler Salze wie das Schüssler Salz Nr. 7 - Magnesium Phosphoricum wirkt schmerzlindernd und entspannend. Es ist darauf zu achten, dass eine Übersäuerung im Körper nicht vorhanden ist, da dies zu einer Demineralisierung der Knochensubstanz führen kann. Um dem entgegen zu wirken sollte zusätzlich das Schüssler Salz Nr. 9 Natrium Phosphoricum eingenommen werden.

Wer während der Einnahme sicher gehen will, dass der ph-Wert im Körper nicht fällt kann dies mittels Urinproben selbst ermitteln. In der Apotheke gibt es dafür Teststreifen. Es ist allerdings darauf zu achten, dass man den Wert über mehrer Tage zur gleichen Uhrzeit feststellen sollte, da dieser nach Tageszeit und Trinkmenge schwankt.


8. Triggerpunkten vorbeugen

Man kann der Entstehung von Triggerpunkten sehr gut vorbeugen. Wichtige Faktoren sind die eigene Körperhaltung, Bewegung, Entspannung und die Ernährung. Dies Alles hilft um eine Überbeanspruchung der Muskulatur zu vermeiden.

Haltung

Im Alltag ist es wichtig auf die richtige Haltung zu achten. Das verhindert Überlastungen der Muskulatur und falsche, unnatürliche Bewegungen. Dadurch kann man Wirbelblockaden vorbeugen.

Die richtige Haltung beim Sitzen oder Heben beugt Muskelverspannungen vor

Richtig Sitzen ist schon die halbe Miete, versuche aufrecht zu sitzen und die natürliche Lordose (Wirbelsäulenkrümmung) im unteren Rücken beizubehalten. Dies ist nicht immer ganz leicht, vor allem wenn man beruflich viel Zeit am Schreibtisch verbringt und sich ständig darauf konzentrieren muss.

Lordosenstützen oder Keilkissen bieten den nötigen "Rückhalt" um eine natürliche Sitzhaltung auch dauerhaft beizubehalten. Dies entstresst die Muskulatur und vermeidet eine Überbeanspruchung.

Ebenso gehört das richtige Heben von schweren Gegenständen zu einem wichtigen Verhalten um den unteren Rücken zu schonen. Langfristig führt das vor allem bei körperlich anstrengenden Berufen zu einem überbeanspruchten Bandappart und Muskulatur.

Hierbei gelten folgende Grundsätze:

  • Das Gewicht vor dem Anheben prüfen
  • Halte die Last so nahe wie möglich am Körper
  • Hebe die Last mit einem geradem Rücken und aus der breitbeinigen Hocke vom Boden
  • Immer den ganzen Körper mit der Last drehen und niemals den Oberkörper
  • Bei Arbeiten am Boden auf einen geraden Rücken achten, hier können Bandagen helfen

Bewegung und Sport

Allerdings ist auch die beste Körperhaltung über Stunden hinweg nicht ausreichend, ändere gelegentlich die Sitzhaltung, versuche wenn möglich auch im Stehen zu arbeiten und etwas zu gehen. Eine Faustregel (50/25/25) besagt 50% der Zeit sitzen, 25% stehen, 25% gehen.

Um die Muskulatur generell vor einer Überbeanspruchung zu schützen ist Sport sehr wichtig. Er stärkt die Muskeln was dazu führt, dass diese gar nicht erst überbeansprucht werden bzw. es länger dauert. Eine zusätzliche Maßnahme ist die Dehnung der Beckenmuskulatur, denn durch das heutzutage viele Sitzen verkürzt sich.

Speziell der verkürzte Hüftbeuger zieht beim Stehen nach vorne und die untere Rückenmuskulatur muss dann dagegen halten und mehr Kraft aufwenden, d. h. der Anspannungsgrad wird erhöht und die Belastung steigt.

Eine Akupressurmatte hat folgende Wirkmechanismen: aktiviert Akupressurpunkte fördert die Durchblutung und damit die Versorgung der Muskulatur mit Nährstoffen regt örtlich die Lymphzirkulation an erhöht die Sauerstoffaufnahme setzt "Glückshormone", sogenannte Endorphine frei und lindert dadurch Schmerzen

Das Liegen auf einer Akupressurmatte entspannt die Muskulatur und fördert die Durchblutung 

Entspannung

Wer einen stressigen Alltag hat und dafür keinen Ausgleich findet belastet seine Muskulatur stärker. Denn Stress und Ängste führen zu einer Ausschüttung von Hormonen, die die Muskeln unbewusst anspannen.

Dauerhaft führt dies ebenfalls zu einer Überbeanspruchung. Hier sollten Maßnahmen ergriffen werden um einen Ausgleich zu schaffen.

Ernährung

Auch die Ernährung ist ein wichtiger Faktor, vor allem die Versorgung der Muskulatur mit ausreichend Magnesium beugt einer Überstrapazierung vor.

Auch der Kalziumhaushalt spielt eine große Rolle, beide Mineralien müssen in einem gesunden Verhältnis, 
(am besten ein Teil Magnesium zu zwei Teile Kalzium)zueinander stehen. Sonst führt dies zu einer krampfenden Muskulatur.

Magnesium erhält man über Nüsse, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte. Kalzium über Milchprodukte und frisches grünes Gemüse. Ein weiterer Vorteil den eine ausreichende Magnesiumzufuhr in sich trägt ist die entspannende Wirkung.

Wer Schwierigkeiten hat die benötigten Mineralstoffe über natürlichen Weg zu sich zu nehmen, kann auch auf das Schüssler Salz Nr. 7 bei Magnesiummangel zurückgreifen. Oder man greift zu Nahrungsergänzungsmittel, die ein umfangreicheres Angebot an div. Mineralstoffen und Vitaminen liefern.

Wichtig!

Vorhandene Triggerpunkte sollten nicht auf die leichte Schulter genommen werden und bedürfen einer Behandlungen um einen chronischen Verlauf vorzubeugen.


9. Zusammenfassung

Der Hauptgrund für Triggerpunkte ist eine Überlastung der Muskulatur. Das Ergebnis sind oftmals Muskelschmerzen, die bei Nichtbehandlung dazu neigen sich in andere Körperregionen auszubreiten und chronisch zu werden.

Die Symptome sind neben den Schmerzen eine entstehende Fehlhaltung und Bewegungseinschränkungen. Teilweise kann es auch zu neurologischen Ausfallerscheinungen, aufgrund gedrückter Nerven, kommen.

Als erfolgversprechend hat sich der multimodale Therapieansatz herauskristallisiert. Folgende Behandlungen können bei Muskelverspannungen eingesetzt werden: