ISG-Syndrom: Symptome, Ursachen, Diagnostik, Therapie | backlaxx®

ISG-Syndrom

Was ist ein ISG-Syndrom und was hat es mit Rückenschmerzen zu tun? Der häufigste Grund ist eine Blockade des Iliosakralgelenkes was zu Schmerzen im unteren Rücken führen kann. Erfahre hier, alles über Symptome, Ursachen, Diagnose und vor allem Therapiemöglichkeiten!
ISG-Syndrom kann ein blockiertes, aber auch arthritisches Iliosakralgelenk sein was zu Rückenschmerzen führt.

  Lesedauer: 12 min

by Roland Späht | 22.06.2018


1. Zuerst lesen!

Was erfährst Du in diesem Artikel?

Wir möchten Dich an dieser Stelle über Ursachen, Symptome, Diagnosemöglichkeiten und therapeutische Maßnahmen bei einem ISG-Syndrom informieren. Darüber hinaus werden alternative Behandlungsmethoden beschrieben, Die dir eine Linderung verschaffen sollen.

Wie ist dieser Artikel zu lesen?

Du hast von einem ISG-Syndrom schon mal gehört und möchtest Dir einen kurzen Überblick über die Erkrankungen verschaffen?

  • Schaue Dir das Video oberhalb an (bald auf unserem YouTube-Kanal) oder fühle Dich frei den Artikel zu überfliegen und lese das was Dich interessiert.

Du hast bereits Rückenbeschwerden und versuchst Dich über mögliche Ursachen aufzuschlauen?

  • Lese Dir als erstes die Symptome durch, wenn sie teilweise oder gänzlich auf die zutreffen ist es sinnvoll den kompletten Artikel zu lesen.

Du leidest bereits an einem ISG-Syndrom und bist auf der Suche nach Behandlungsmöglichkeiten, die Dir eine Linderung verschaffen?


2. Was ist ein ISG-Syndrom?

Das Iliosakralgelenk oder auch Kreuzdarmbeingelenk ist ein mit kräftigen Bändern versehenes und damit wenig bewegliches Gelenk. Es verbindet die untere Wirbelsäule mit dem Becken.

Das Iliosakralgelenk verbindet die untere Wirbelsäule mit dem Becken.

Und was hat es mit Rückenschmerzen zu tun? Die Iliosakralgelenke (ISG) oder Kreuz-Darmbeingelenke verbinden die Beckenschaufeln (Os ilium) mit der unteren Wirbelsäule, dem sogenannten Kreuzbein (Os sacrum).

Das Iliosakralgelenk ist nur wenig beweglich und von einem starken Bandappart gesichert. Durch den sehr engen Gelenkspalt lässt es lediglich eine leichte Bewegung nach vorne und hinten zu. Bereitet nun dieses Schmerzen spricht man von einem ISG-Syndrom.

Am häufigsten verursacht eine ISG-Blockade, durch das Verkanten der beiden Gelenkflächen einen starken stechenden Schmerz. Dieser verläuft dann über den unteren Rücken und der Rückseite des Oberschenkels bis in das Knie.


3. Symptome

Bei einem ISG-Syndrom bleibt es häufig nicht nur bei lokalen Schmerzen am Gelenk selbst. Die Nozirezeptoren werden im Kreuz-Darmbeingelenk bei Blockaden oder Erkrankungen besonders aktiv. Diese Schmerzrezeptoren leiten dann die Schmerzsignale über das Rückenmark an das Gehirn weiter. Schließlich kommt es dann häufig zu ausstrahlenden Schmerzen.

  • Leitsymptome
  • Begleitsymptome

starker, stechender Schmerz im Iliosakralgelenk

  • bei Drehbewegungen und beim Beugen
  • durch längeres Sitzen in einer bestimmten Position
  • beim Gehen

teilweise strahlt der Schmerz über den unteren Rücken über den Oberschenkel bis in das Knie und ähnelt dann sogar einem Bandscheibenvorfall.

  • Muskelverspannungen
  • Schonhaltung (leichte Neigung des Rumpfes zu einer Seite)

4. Ursachen

Wie bereits erwähnt ist die häufigste Ursache eine Blockade des Kreuz-Darmbeingelenks (Iliosakralgelenk). Diese entsteht durch ungewöhnlich starke Zug- und Druckbelastungen auf die umgebenden Bänder. Dabei verkanten die Gelenkflächen und die freie Beweglichkeit des Gelenkes wird blockiert. Als Reaktion verspannt die Muskulatur und die Nerven werden irritiert.

Fehlbelastungen, Übergewicht oder schweres Heben sind Risikofaktoren, die einen solchen Zustand begünstigen. Darüber hinaus können Unfälle oder Stürze eine Blockade auslösen. Längeres Sitzen im Schneidersitz kann Schmerzen im Kreuz-Darmbeingelenk provozieren.

Weitere Gründe können eine Arthritis oder andere degenerative Erkrankungen wie Morbus Bechterew sein. Diese führen zu Entzündungen somit zu Reizungen der Schmerzrezeptoren was wiederum Schmerzen verursacht.

Eine weitere häufige Ursache für ein ISG-Syndrom sind hormonelle Umstellungen in der Schwangerschaft, die zu einer Lockerung des Bandapparates führen. Die Muskulatur muss nun die fehlende Stabilität ausgleichen was zu Verspannungen führen kann und schmerzt.

In der Schwangerschaft lockert sich der Bandappart im Becken. Die Muskulatur muss das ausgleichen, was zu Verspannungen führen kann

Eine weitere häufige Ursache sind hormonelle Umstellungen in der Schwangerschaft, die zu einer Lockerung des Bandapparates führen. Die Muskulatur muss nun die fehlende Stabilität ausgleichen was zu Verspannungen führen kann und schmerzt.

Das Becken ist von vielen Muskeln umgeben die den Rumpf stabilisieren und beweglich machen. Eine weitere Möglichkeit die zu ISG-Schmerzen führen kann sind Muskeln und Faszien, die sich über die Jahre durch langes Sitzen verkürzen. Speziell der Lenden-Darmbeinmuskel und die entgegenwirkende rückseitige Beckenmuskulatur führt zu Spannungen die Druck auf das Gelenk ausüben. Das Gehirn generiert nun Schmerzen als Schutzsignal um Schäden am Iliosakralgelenk zu vermeiden.


5. Diagnose

Zu Beginn der Diagnose steht die Erfassung der Krankheitsgeschichte (Anamnese) des Patienten. Im Vordergrund stehen Fragen rund um den den Schmerze wie

  • Lokalisation,
  • Ausbreitung,
  • Art (brennend, stechend)
  • Dauer

Darüber hinaus sind Informationen bzgl. Vorerkrankungen oder familiäre Erkrankungen wichtig um andere Erkrankungen auszuschließen.

In Abhängigkeit der genannten Beschwerden folgt eine körperliche Untersuchung bei der der behandelnde Arzt diverse Tests durchführt.

Der Patrick-Test liefert Hinweise bei Schmerzen oder eingeschränkter Beweglichkeit ob das Iliosakralgelenk betroffen ist. Dabei wird das Bein angewinkelt und durch den behandelnden Arzt unter Fixierung der Hüfte seitlich nach unten gedrückt. Dieser Test erfolgt dann beidseitig.

Der Patrick-Test

  • Der Patrick-Test liefert Hinweise bei Schmerzen oder eingeschränkter Beweglichkeit ob das Iliosakralgelenk betroffen ist. Dabei wird das Bein angewinkelt und durch den behandelnden Arzt unter Fixierung der Hüfte seitlich nach unten gedrückt. Dieser Test erfolgt dann beidseitig.
  • Prüfung des Mennell-Zeichens:
    Der Test kann einen Aufschluss darüber geben ob Entzündungen oder Blockaden im Iliosakralgelenk vorhanden sind. Dabei legt sich der Patient auf den Bauch. Der Untersuchende drückt auf den unteren Rücken (Fixation des (Kreuz-Darmbeingelenkes) und hebt ein Bein im gestreckten Zustand an. Falls ein stechender Schmerz eintritt ist dies ein Hinweis auf eine Entzündung.
  • Um einen Wirbelbruch auszuschließen werden die Dornfortsätze abgeklopft. Entstehen dabei Schmerzen kann ein ISG-Syndrom ausgeschlossen werden.
  • Das sogenannte Vorlaufphänomen ist ein Anzeichen für eine Blockade.


Eine Blutuntersuchung ist ungewöhnlich, sollte aber gerade bei chronischen Schmerzen aus differenzialdiagnostischen Gründen durchgeführt werden. Es sollte ausgeschlossen werden das eine Erkrankung wie Morbus Bechterew vorliegt. Einen deutlichen Hinweis darauf liefert das Vorhandensein des Antigens HLA-B27.

Folgende Erkrankungen sollten ebenfalls ausgeschlossen werden:


6. Therapie

Auch bei einem ISG-Syndrom ist die multimodale Therapie am erfolgversprechendsten. Besonders Bewegung und spezielle physiotherapeutische Übungen sind, trotz Beschwerden, sehr wichtig um ein ISG-Syndrom erfolgreich zu behandeln.

Um ein ISG-Syndrom erfolgreich zu behandeln ist eine multimodale Therapie am erfolgversprechendsten

Eine weitere Möglichkeit stellt die Manualtherapie dar, welche nur von speziell ausgebildeten Ärzten oder Physiotherapeuten durchgeführt werden darf. Mittels einer Mobilisation oder durch Manipulation können hier Gelenkblockaden gelöst werden.

Es ist ebenfalls möglich ISG-Blockaden zu Hause durch spezielle Übungen selbst zu lösen. Auf eine korrekte Durchführung ist zu achten und sollte vorher mit dem behandelnden Therapeuten geübt werden.  

Eine Wärmetherapie hilft die Muskulatur zu entspannen, Wärmepflaster, Wärmflaschen oder Infrarotlampen sind dafür geeignet. Diese sind besonders in der Schwangerschaft eine völlig risikofreie Behandlungsform.

Eine schnelle Schmerzlinderung ist durch eine Infiltrationstherapie möglich. Dabei wird ein Lokalanästhetikum direkt in den Bandapparat oder Gelenkspalt gespritzt. Bei einer Injektion zwischen die Gelenkflächen sollte unterstützend ein CT oder Bildwandler verwendet werden. Um zusätzlich evtl. vorhandene Entzündungen zu behandeln können sogenannten Glukokortikoide lokal gespritzt werden.

Die Einnahme von sogenannten nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac helfen ebenfalls die Schmerzen zu lindern und wirken entzündungshemmend.

Alternative Behandlungsmethoden

Als hilfreich um das Iliosakralgelenk zu entlasten haben sich Kinesiotapes erwiesen. Im unteren Video ist meiner Meinung nach sehr gut beschreiben, wie das Tape anzubringen ist.


Weitere alternative Behandlungsmethoden zur Muskelentspannung sind:

Heilkräuter und Heilpflanzen

Die vielfältigen Wirkungsweisen von Heilkräuter und Heilpflanzen kommen ebenfalls als Behandlungsmethode bei einem ISG-Syndrom in Frage. Folgendes kann empfohlen werden:

  • Arnika
  • Teufelskralle
  • Rosskastanie
  • Beinweil

Genauere Informationen über die Wirkung der einzelnen Heilpflanzen erfährst Du in unserer Rubrik Naturheilkunde.

Den Einsatz von ätherischen Ölen für eine Aromatherapie oder wirken entspannend, belebend und schmerzlindernd.

Schüssler Salze

Schüssler Salze allgemein und im speziellen das Schüssler Salz Nr. 7 - Magnesium Phosphoricum wirkt schmerzlindernd und entspannend. Es ist darauf zu achten, dass eine Übersäuerung im Körper nicht vorhanden ist, da dies zu einer Demineralisierung der Knochensubstanz führen kann. Um dem entgegen zu wirken sollte zusätzlich das Schüssler Salz Nr. 9 Natrium Phosphoricum eingenommen werden.

Wer während der Einnahme sicher gehen will, dass der ph-Wert im Körper nicht fällt kann dies mittels Urinproben selbst ermitteln. In der Apotheke gibt es dafür Teststreifen. Es ist allerdings darauf zu achten, dass man den Wert über mehrer Tage zur gleichen Uhrzeit feststellen sollte, da dieser nach Tageszeit und Trinkmenge schwankt.

Wichtig!

Wärmetherapie,

Bewegung und

Entspannungsübungen mit einer Akupressurmatte und progressiver Muskelentspannung können helfen die Schmerzen zu lindern.


7. Zusammenfassung und Prognose

Die Iliosakralgelenke (ISG) oder Kreuz-Darmbeingelenke verbinden die Beckenschaufeln (Os ilium) mit der unteren Wirbelsäule, dem sogenannten Kreuzbein (Os sacrum). Der häufigste Grund für ein ISG-Syndrom ist eine Blockade des Gelenks. Damit gehen häufig Muskelverspannungen und irritierte Nerven einher.

Dies führt zu Schmerzen direkt am Gelenk selbst aber auch zu ausstrahlenden Schmerzen bis in die Knie. Risikofaktoren sind Übergewicht, schweres Heben sowie dauerhafte Fehlhaltungen. 

Falls Erkrankungen wie

ausgeschlossen werden können sind Therapien wie

anwendbare Maßnahmen.

Die Dauer eines ISG-Syndroms ist sehr individuell und nur schwer zu prognostizieren. Es ist stark davon abhängig wie gut die gewählten Behandlungsmethoden greifen und ob Risikofaktoren vorhanden sind. Meist lässt sich ein aufgetretenes ISG-Syndrom gut behandeln. Nur selten kommt es zu einer Chronifizierung, die dann aber über Monate oder gar Jahre anhalten kann.