12 Kurzbeschreibung bei Wirbelsäulenerkrankungen | backlaxx®

Erkrankungen der Wirbelsäule

Die in diesem Artikel kurz beschriebenen Erkrankungen betreffen entweder die komplette Wirbelsäule oder ganze Segmente davon. Die meisten sind oftmals chronisch. Bei jeder Kurzbeschreibung findest du einen weiterführenden Link zu einem detaillierten Erklärung des Krankheitsbildes.
Erkrankungen, die die komplette Wirbelsäule bzw. ganze Segmente betreffen sind sehr häufig spezifisch, damit chronisch und nicht mehr heilbar.

  Lesedauer: 13 min  - je Ursache ca. 1 min

by Roland Späht | 16.04.2018

1. Zuerst lesen!

Was erfährst Du in diesem Artikel?

Die Ursachen für Rückenschmerzen sind sehr vielfältig und teilweise nur schwer, z.B. durch bildgebende Verfahren, zu diagnostizieren. In diesem Artikel findest du eine Übersicht möglicher Krankheitsbilder,  die die komplette Wirbelsäule bzw. ganze Segmente der Wirbelsäule betreffen mit einer kurzen Beschreibung. Klicke auf den Bildlink, der führt Dich zu einem vollständigen Artikel der Erkrankung.


Wie ist dieser Artikel zu lesen?

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2. Hyperkyphose

Die Krümmung im Bereich der Brustwirbelsäule wird Kyphose genannt und ist völlig normal. Eine krankhafte Veränderung dieser Krümmung nennt man Hyperkyphose.

Vor allem eine dauerhafte Fehlhaltung ist der Hauptgrund für eine Hyperkyphose.

Man unterscheidet dabei mehrere Arten:

  • Posturale Kyphose - das ist die häufigste Form, sie entsteht durch eine gekrümmte Haltung beim Gehen, Stehen und vor allem beim Sitzen. Diese sollte durch Sport oder andere Aktivitäten ausgeglichen werden.
  • Scheuermann Kyphose - diese wird durch das Scheuermann-Syndrom verursacht.
  • Angeborene Kyphose - wird durch Fehlentwicklung im Mutterleib verursacht.
  • Nutritionale Kyphose - entsteht durch eine Mangelernährung (Vitamin D-Mangel) in der Kindheit

3. Skoliose

Die Skoliose beschreibt eine seitliche Verkrümmung sowie eine Verdrehung der Wirbelsäule, die nicht mehr durch die Muskulatur ausgeglichen werden kann. Dabei unterscheidet man zwischen idiopathischer und symptomatischer Skoliose. Ca. 90% sind idiopathisch, das heißt sie sind auf keine Ursache zurückzuführen und entstehen normalerweise im Kindesalter ab dem 3. Lebensjahr. Eine häufige Ursache dieser Erscheinungsform sind Wachstumsschübe in Verbindung mit Fehlhaltungen.

Weitere Gründe, die wissenschaftlich nicht erwiesen sind:

Eine Skoliose verursacht Muskelverhärtung meist im quadratischen Lendenmuskel
  • hormonelle Einflüsse während des Wachstums in der Pubertät, 
  • genetische Veranlagung,
  • einseitige Belastungen,
  • Hyperkyphose oder Flachrücken,
  • unterschiedliche Wachstumsgeschwindigkeiten bauchseitig gegenüber der Rückenpartie.
  • muskuläres Ungleichgewicht in der Lendenmuskulatur.

4. Morbus Bechterew

Morbus Bechterew oder auch Spondylitis ankylosans genannt, ist eine entzündliche, degenerative Erkrankung mit Schmerzen und Versteifung der Gelenke. Ca. 1,9% der deutschen Bevölkerung leidet an dieser, laut einer Studie, arthritische Erkrankungen. Den meisten Betroffenen ist dies gar nicht bewusst, die "Deutsche Vereinigung Morbus Bechterew e. V." erwähnt ca. 100.000 - 150.000 diagnostizierte Fälle.

Morbus Bechterew (Spondylitis ankylosans) verursacht eine degenerative Veränderung der Wirbelsäule, die mitunter einzelne Wirbelkörper miteinander verknöchert.

Als Ursache wird eine Störung des Immunsystems vermutet, die diese Krankheit auslöst. Die ersten Symptome wie morgendliche Steifheit und Schmerzen in der Beckenregion treten meist im späten jugendlichen bzw. frühen Erwachsenenalter auf.

Die späteren Folgen der Krankheit sind starke Schmerzen und eine Verknöcherung der Wirbelsäule, die einzelne Wirbel zusammenwachsen lässt. Je nach Schwere des Krankheitsverlaufes kann es von leichter Steifigkeit bis hin zu einer kompletten Verschmelzung der Wirbelsäule führen. Dies wiederum bewirkt eine starke Bewegungseinschränkung.


5. Morbus Scheuermann

Die Fehlentwicklung während des Wachstums, Morbus Scheuermann genannt, hat durch Fehlhaltung als Ergebnis einen Rundrücken zur Folge.

Morbus Scheuermann ist eine Wachstumsstörung und führt zu einer chronischen Erkrankung der Wirbelsäule. Dabei unterscheidet man zwei Typen. Bei Typ I kommt es zu einer Hyperkyphose, einem sogenannten "Rundrücken".

Bei Typ II kommt es zu einer "Abflachung" der Lendenlordose, dies bedeutet, dass die natürliche Krümmung der Lendenwirbelsäule ganz oder teilweise verloren geht. Bei Abschluss des Wachstums hört das Fortschreiten der krankhaften Veränderungen (Progression) auf.

Durch bildgebende Verfahren ist das Scheuermannsyndrom gut zu diagnostizieren. Charakteristisch ist die Ausbildung von sogenannten Keilwirbeln und durch Schäden an den Knorpel-Knochenverbindungen kommt es zu sogenannten Schmorl-Körperknötchen.

Die Ursachen sind noch nicht erforscht, jedoch gibt es ein paar Anhaltspunkte. Die scheuermann´sche Erkrankung kommt in Familien in einer größeren Häufung vor. Somit spielen erbliche Faktoren eine Rolle. Darüber hinaus wird vermutet das eine schlechte Körperhaltung (Handybuckel) und gewisse Sportarten wie Kampfsport oder Hallenballsportarten negativ dazu beitragen.

Jungen sind 4 - 5 mal häufiger betroffen als Mädchen. Schätzungsweise ist bei jedem 100. Morbus Scheuermann diagnostizierbar.


6. Morbus Paget

Morbus Paget führt zu einer Verdickung der Knochenstrukturen und dadurch zu einer Verformung. Im Rückenbereich kann das Ergebnis eine Hyperkyphose sein.

Morbus Paget ist eine chronische Erkrankung der Knochen, sie tritt im Normalfall ab einem Alter von 55 Jahren auf und ist die zweithäufigste Knochenerkrankung nach der Osteoporose. Dabei findet eine Art Knochenumbau statt, bei Beginn der Krankheit wird durch eine gesteigerte Aktivität der Osteoklasten Knochengewebe abgebaut und anschließend unkontrolliert wieder aufgebaut. In Folge dieses Prozesses kommt es zu Verdickungen an den Wirbelkörpern und es entsteht eine Wirbelsäulenverkrümmung.

Überwiegend ist die Krankheit in der westlichen Welt diagnostiziert, in Westeuropa sind 5% der Männer und 8% der Frauen ab dem 80. Lebensjahr betroffen. Ca. 15% der Fälle sind genetisch bedingt und es sind bereits familiäre Auffälligkeiten vorhanden. Desweiteren wird vermutet, dass Morbus Paget durch eine Virusinfektion hervorgerufen werden kann z. B. durch Masern.


7. Osteoporose

Durch Osteoporose vermindert sich die Dichte der Wirbelkörper, was bereits bei alltäglichen Belastungen zu sogenannten Sinterbrüchen führen kann.

Osteoporose ist eine krankhafte Verminderung des Knochengewebes sprich der Knochendichte. Dies hat zur Folge, dass Wirbelkörper an Stabilität verlieren und durch bereits alltägliche Belastungen brechen können. Häufigste Ursachen sind

  • Mangelernährung vor allem Kalzium,
  • Rauchen,
  • Übergewicht und
  • mangelnde Bewegung.

Besonders Frauen sind davon betroffen, mit 70. Jahren leidet fast jede Zweite an Osteoporose.


8. Osteochondrose

Durch verschlissene Bandscheiben verringert sich der Abstand zwischen den Wirbelkörpern und es entsteht Druck auf der Ober- bzw- Unterseite. Um diese Belastung zu verhindern bildet der Körper einen Kalksaum um die Bandscheiben.

Osteochondrosis intervertebralis ist eine degenerative Erkrankungen der Bandscheiben und tritt am häufigsten im Lendenwirbelbereich auf, weil dort die Belastungen am höchsten sind.

Bandscheiben werden nicht durchblutet, die Versorgung mit Nährstoffen erfolgt durch Entlastung (z. B. beim Schlafen) wo sie Gewebeflüssigkeit aufnehmen welche sie bei Belastung wieder abgeben.

Tritt nun eine ständig einseitige Belastung wie beim ständigen Sitzen oder Stehen auf, werden diese unterversorgt, da nicht mehr genügend Gewebeflüssigkeit aufgenommen werden kann. Durch eine langfristig schlechte Unterversorgung flacht die Bandscheibe ab und verschleißt. Zusätzlich wird durch mangelhafte Bewegung oder Übergewicht dieser Prozess beschleunigt. Diese Phase der Erkrankung wird als Chondrose bezeichnet.

Durch die verschlissenen Bandscheiben verringert sich der Abstand zwischen den Wirbelkörpern und  der Druck auf die Facettengelenke wird erhöht, die dadurch ebenfalls verschleißen. Um diesen Prozess aufzuhalten und eine Stabilisierung der Wirbelsäule zu erreichen bildet der Körper Knochensubstanz aus.

Zu Beginn ist dies eine Art Kalksaum an den Deck- und Grundplatten der Wirbelkörper und wird dann als Osteochrondose bezeichnet. Schreitet die Erkrankung fort bilden sich sogenannte Spondylophyten. Dieser Zustand wird Spondylosis derfomas genannt.


9. ISG-Syndrom

ISG-Syndrom kann ein blockiertes, aber auch arthritisches Iliosakralgelenk sein was zu Rückenschmerzen führt.

Wenn das Iliosakralgelenk, welches das Becken mit der Wirbelsäule verbindet, Schmerzen bereitet spricht man vom ISG-Syndrom. Dies kann mehrere Ursachen haben, die Häufigste ist die ISG-Blockade. Das Iliosakralgelenk ist nur wenig beweglich und von einem starken Bandappart gesichert. Blockiert das Gelenk durch Fehlbelastungen, wie schweres Heben oder Übergewicht, äußert sich das mit einem starken stechenden Schmerz.

Weitere Ursachen sind Arthritis oder degenerative Erkrankungen wie Morbus Bechterew was zu Entzündungen führen kann und dann Schmerzen verursacht. Eine weitere häufige Ursache sind hormonelle Umstellungen in der Schwangerschaft, die zu einer Lockerung des Bandapparates führen. Die Muskulatur muss nun die fehlende Stabilität ausgleichen was zu Verspannungen führen kann und schmerzt.


10. Facettensyndrom

Das Facettensyndrom, ist häufig eine degenerative, altersbedingte Erkrankung der Wirbelbogengelenke auch Facettengelenke genannt und wird dann als Spondylarthrose bezeichnet. Die meist im Alter entstehende Arthrose schädigt die Knorpelflächen und führt zu einer Verknöcherung der Gelenke. Am häufigsten tritt die Krankheit im Lendenwirbelbereich auf, weil die Belastung dort am größten ist. 

Der Gelenkverschleiß bei einem Facettensyndrom verursacht eine Reizung der Facettennerven, die dann Schmerzen verursachen.

Es entsteht eine Reizung der Facettennerven, deren Schmerzausstrahlung dann ähnliche Symptome aufweisen wie bei einer

  • Lumbalgie - Schmerzen im Lendenbereich, 
  • Ischialgie - Schmerzen im Bereich des Versorgungsgebietes des Ischiasnerves oder 
  • einer Cervicobrachialgie - Schmerzen im Schulter-Arm-Bereich. 

Oft geht gerade im Lendenwirbelbereich durch die Verringerung des Abstands zwischen den Wirbeln durch abgeflachte Bandscheiben eine Verengung des Wirbelkanals (Spinalkanalstenose) einher. 


11. Wirbelblockade

Eine Wirbelblockade entsteht durch einen oder mehrere verschobene Wirbel die sich gegenseitig blockieren oder in sich "verhakte Facettengelenke". Dies tritt nicht nur in der Brustwirbelsäule auf sondern ebenso in der Hals- wie auch Lendenwirbelsäule auf.

Durch gegenseitig verschobene Wirbel entsteht eine Blockade, die sich mit plötzlich einschießenden stechenden Schmerzen äußert.

Allerdings ist sie im Bereich der Brustwirbel eine häufige Ursache für Schmerzen. Entstehen kann dies durch eine

  • schwache Rückenmuskulatur,
  • falsches Heben,
  • Fehlhaltungen,
  • einen Schlag auf den Rücken,
  • degenerierte Bandscheiben und Facettengelenke.

12. Spondylitis

Infektionen der Wirbelkörper wie Spondylitis oder Osteomyelitis sind bedingt durch Bakterien, Viren oder Pilzsporen und erfordern eine lange und intensive Behandlung mit Antibiotika.

Bei Spondylitis, oder auch Osteomyelitis, handelt es sich um eine Infektion des Knochens bzw. der Wirbelkörper, die zu Entzündungen führt und auch das Knochenmark betreffen kann. Dies wird meist durch Bakterien hervorgerufen die bei offenen Knochenbrüchen oder Operationen eingeschleppt werden. Bei einer Früherkennung ist die Behandlung durch Antibiotika vielversprechend.

In manchen Fällen führt auch ein Harnwegsinfekt oder auch entzündete Zahnwurzeln zu einer Infektion, speziell hier sind schnelle Diagnosen äußerst schwierig. Dies führt dazu, dass Teile des Knochens absterben und der Infektionsherd durch den Körper eingekapselt wird. Somit ist er für eingenommene Antibiotika unerreichbar und muss operativ behandelt werden.

Wichtig!

Oftmals sind die oben genannten Erkrankungen nicht mehr heilbar. Es kann lediglich der Verlauf verlangsamt werden und die Schmerzen durch entsprechende Therapien gelindert werden. Dazu gehören meist die Einnahme von Schmerzmitteln, Bewegungstherapie und Entspannungsübungen. Dies unterstützt die Beseitigung schmerzbedingter Muskelverhärtungen durch Schonhaltung sowie die Erhaltung der Beweglichkeit.