Facettensyndrom: Symptome, Ursachen, Therapie | backlaxx®

Facettensyndrom

Ursachen, Symptome, Diagnosemöglichkeiten und therapeutische Maßnahmen bei einem Facettensyndrom. Therapien und alternative Behandlungsmethoden zur Linderung der Schmerzen. Ebenfalls werden vorbeugende Möglichkeiten aufgezeigt, die das Risiko an einem Facettensydrom zu erkranken verringert.
Der Gelenkverschleiß bei einem Facettensyndrom verursacht eine Reizung der Facettennerven, die dann Schmerzen verursachen.

  Lesedauer: 10 min

by Roland Späht | 22.04.2018


1. Zuerst lesen!

Was erfährst Du in diesem Artikel?

Wir möchten Dich an dieser Stelle über Ursachen, Symptome, Diagnosemöglichkeiten und therapeutische Maßnahmen bei einem Facettensyndrom informieren. Darüber hinaus werden alternative Behandlungsmethoden beschrieben, die Dir eine Linderung verschaffen sollen. Ebenfalls werden vorbeugende Möglichkeiten aufgezeigt, die das Risiko an einem Facettensyndrom zu erkranken verringern.

Wie ist dieser Artikel zu lesen?

Du hast von einem Facettensyndrom schon mal gehört und möchtest Dir einen kurzen Überblick über die Erkrankungen verschaffen?

  • Schaue Dir das Video oberhalb an (bald auf unserem YouTube-Kanal) oder fühle Dich frei den Artikel zu überfliegen und lese das was Dich interessiert.

Du hast bereits Rückenbeschwerden und versuchst Dich über mögliche Ursachen aufzuschlauen?

  • Lese Dir als erstes die Symptome durch, wenn sie teilweise oder gänzlich auf die zutreffen ist es sinnvoll den kompletten Artikel zu lesen.

Du leidest bereits an einem Facettensyndrom und bist auf der Suche nach Behandlungsmöglichkeiten die Dir eine Linderung verschaffen?

Du möchtest einem Facettensyndrom vorbeugen?


2. Was ist ein Facettensyndrom?

Ein Facettensyndrom kann durch verschiedene Ursachen ausgelöst werden und entsteht meist durch eine Abnutzung der Facettengelenke. Dies führt zu einer Reizung der Facettennerven, die dann Rückenschmerzen hervorrufen. Am häufigsten tritt das Facettensyndrom als degenerative Erkrankung auf und wird dann auch als Spondylarthrose bezeichnet.


3. Symptome

Am häufigsten tritt die Erkrankung im Bereich der Lendenwirbelsäule auf, weil dort die Belastungen am höchsten sind. Es entsteht eine Reizung der Facettennerven und somit Schmerzen, deren Ausstrahlung dann ähnliche Symptome aufweisen wie bei einer

  • Lumbalgie - Schmerzen im Lendenbereich, 
  • Ischialgie - Schmerzen im Bereich des Versorgungsgebietes des Ischiasnerves oder
  • einer Cervicobrachialgie - Schmerzen im Schulter-Arm-Bereich oder gar
  • Erkrankungen der Bauchspeicheldrüse oder des Dickdarms.
  • Leitsymptome
  • Begleitsymptome

Ein dumpfer, ein- oder beidseitger Schmerz der nicht lokalisierbar ist. Er nimmt meist im Laufe des Tages aufgrund von Belastungen beim Gehen, Stehen oder durch Bewegungen im Oberkörper zu. Speziell die Bildung eines Hohlkreuzes führt zu einer Verstärkung des Rückenschmerzes.

Zusätzlich strahlen die Schmerzen in die Hüfte oder Beine aus. Im Gegensatz zu einer Ischialgie oder einer Verengung des Wirbelkanals entsteht keine Taubheit, Kribbeln oder ein pelziges Gefühl.


4. Ursachen

Oftmals sind Abnutzungsschäden (Arthrose) im Alter der Grund für ein Facettensyndrom. Durch die degenerierten Gelenkflächen werden die naheliegenden Nerven gereizt. Eine weitere Ursache können Gelenkentzündungen (Arthtritis) oder sein sowie verschlissene Bandscheiben (Osteochondrose) sein.

Durch verschlissene Bandscheiben verringert sich der Abstand zwischen den Wirbelkörpern und es entsteht Druck auf der Ober- bzw- Unterseite. Um diese Belastung zu verhindern bildet der Körper einen Kalksaum um die Bandscheiben.

Osteochondrose entsteht durch verschlissene Bandscheiben wodurch Verknöcherungen an den Wirbeln bildet

Dabei flachen die Bandscheiben ab und es verringert sich somit der Abstand zwischen den Wirbeln. Dies führt dazu, dass das enge Zusammenspiel zwischen Bandscheiben und den Wirbelgelenke (Facettengelenke) in eine Schieflage geraten, Druck entsteht und eine Schädigung ist die Folge.

Durch die Verringerung des Abstands kommt es oft zu einer Verengung des Wirbelkanals (Spinalkanalstenose) im Lendenwirbelbereich.

Eine verspannte oder geschwächte Rückenmuskulatur kann ebenfalls zu einem Verschleiß der Wirbelgelenke führen. Dies kann undefinierte Zwänge und somit Druck auf die Facettengelenke ausüben, was auf Dauer zu Schäden führt.

Weitere Ursachen können eine Bindegewebswucherung sein, medizinisch Ganglion genannt. Solche Wucherungen entstehen am häufigsten an Handgelenken und werden dort als Überbein bezeichnet. Sie entstehen an stark belasteten Stellen, was auf die Lendenwirbelsäule durchaus zutrifft.


5. Diagnose

In erster Linie wird der Arzt eine Anamese (Aufnahme der Krankheitsgeschichte) durchführen evtl. auch anhand eines Schmerzfragebogens (Quelle: DRK Schmerz-Zentrum-Mainz). Neben allgemeinen Fragen, werden dem Patient

  • zur Lokalisation, Dauer, Häufigkeit und Intensität des Schmerzes
  • dem psychischen Zustand,
  • bisherigen Behandlungen und Erkrankungen und der
  • aktuellen Lebenssituation

gestellt.

Bei der körperlichen Untersuchung fällt bei einem Facettensyndrom vor allem an der Stelle eine Druckempfindlichkeit auf. Oftmals ist die Muskulatur rund um den schmerzenden Bereich verhärtet (Triggerpunkte). Außerdem treten keine neurologischen Auffälligkeiten bzgl. Taubheit, Kribbeln oder pelzigem Gefühl in den Beinen auf.

Ein bildgebendes Verfahren sollte bei Verdacht angewendet werden. Jedoch erfolgt dies meist erst nachdem ein länger anhaltender Schmerz zwischen 6 - 12 Wochen vorhanden ist und keine Besserung durch eine konservative Therapie erzielt werden konnte.

Eine weitere Möglichkeit den Verdacht auf ein Wirbelgelenksyndrom zu erhärten ist das Spritzen eines Lokalanästhetikum mit Hilfe eines CT´s oder Bildwandlers in die Nähe der Facettengelenke. Vermindern sich die Schmerzen an der eingespritzten Stelle ist das ein Hinweis auf eine Reizung der Facettennerven.

Krankschreibung

Bei akut auftretenden Schmerzen aufgrund gereizter Nerven in den Facettengelenken ist die Ausstellung einer Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung abhängig vom ausgeübten Beruf. Einen weiteren Einfluss nimmt die Schmerzintensität. Aufgrund dessen ist hier eine genaue Aussage über die Dauer der Krankschreibung nicht möglich.

Erfolgt jedoch ein Eingriff kann von einer Krankheitsdauer von ein bis vier Wochen ausgegangen werden. Welche Operationsmöglichkeiten zur Verfügung stehen sind unter dem Reiter "invasiv" aufgelistet.


6. Therapie

Eine vollständige Heilung eines bestehenden Syndroms ist nicht möglich und die Schmerzfreiheit ist von der Schwere der Erkrankung abhängig. Eine Therapie ist auf die Linderung der Schmerzen ausgelegt und versucht dem Betroffenen helfen mit dem Leiden umzugehen. Die Therapiemöglichkeiten unterscheiden sich in konservativ und invasiv:

  • konservativ
  • Invasiv
  • spritzen eines lokal wirkenden Betäubungsmittels zusammen mit Kortison mit zur Hilfenahme einer Bildgebung (CT, Bildwandler) da eine hohe Präzision erforderlich ist.
  • Facettendenervierung durch Radiofrequenztherapie oder Kryotherapie - dabei werden die gereizten Nerven verödet, was die Schmerzen bis zu einem Jahr lindern kann. 
  • operative Nervenentfernung oder -durchtrennung

Facettensyndrom vorbeugen

Um einem Facettensyndrom vorzubeugen sind folgende Faktoren zu berücksichtigen die eigene Körperhaltung, Bewegung, Entspannung und die Ernährung. Diese Maßnahmen beugen den Ursachen Osteochondrose und Muskelverspannungen vor.

Körperhaltung

Die richtige Sitzhaltung beansprucht die Muskulatur nicht und eine Überbeanspruchung wird verhindert.

Vergrößert das Bild, unten rechts ist die ideale Sitzhaltung dargestellt

Richtig sitzen ist schon die halbe Miete, versuche aufrecht zu sitzen und die natürliche Lordose (Wirbelsäulenverkrümmung) im unteren Rücken beizubehalten. Dies ist nicht immer ganz leicht, vor allem wenn man beruflich viel Zeit am Tisch verbringt und sich ständig darauf konzentrieren muss.

Lordosenstützen oder Keilkissen bieten den nötigen "Rückhalt" um eine natürliche Sitzhaltung auch dauerhaft beizubehalten. Dies entlastet die Muskulatur und vermeidet eine Überbeanspruchung.

Ebenso gehört das richtige Heben von schweren Gegenständen zu einem wichtigen Verhalten um den unteren Rücken zu schonen. Langfristig führt das vor allem bei körperlich anstrengenden Berufen zu einem überbeanspruchten Bandappart und Muskulatur. Hierbei gelten folgende Grundsätze:

  • Das Gewicht vor dem Anheben prüfen
  • Halte die Last so nahe wie möglich am Körper
  • Hebe die Last mit einem geradem Rücken und aus der breitbeinigen Hocke vom Boden
  • Immer den ganzen Körper mit der Last drehen und niemals den Oberkörper
  • Bei Arbeiten am Boden auf einen geraden Rücken achten, hier können Bandagen helfen


Bewegung und Sport

Allerdings ist auch die beste Körperhaltung über Stunden hinweg nicht ausreichend, ändere gelegentlich die Sitzhaltung, versuche wenn möglich auch im Stehen zu arbeiten und etwas zu gehen. Eine Faustregel (50/25/25) besagt 50% der Zeit sitzen, 25% stehen, 25% gehen.

Um die Muskulatur generell vor einer Überbeanspruchung zu schützen ist Sport sehr wichtig. Er stärkt die Muskeln was dazu führt, dass diese erst gar nicht erst überbeansprucht werden bzw. es länger dauert. Eine zusätzliche Maßnahme ist die Dehnung der Beckenmuskulatur, denn durch das viele Sitzen verkürzt sich diese..

Speziell der verkürzte Hüftbeuger zieht beim Stehen nach vorne und die untere Rückenmuskulatur muss dann dagegen halten und mehr Kraft aufwenden, d. h. der Anspannungsgrad wird erhöht und die Belastung steigt.


Entspannung

Wer einen stressigen Alltag hat und dafür keinen Ausgleich findet belastet seine Muskulatur stärker. Den Stress und Ängste führen zu einer Ausschüttung von Hormonen, die die Muskeln unbewusst anspannen. Dauerhaft führt dies ebenfalls zu einer Überbeanspruchung.


Ernährung

Magnesiummangel führt zu einer krampfenden Muskulatur Nüsse, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte enthalten viel Magnesium decken den täglichen Bedarf

Nüsse, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte sind Magnesiumlieferanten

Auch die Ernährung ist ein wichtiger Faktor, vor allem die Versorgung der Muskulatur mit ausreichend Magnesium beugt einer Überstrapazierung vor.

Auch der Kalziumhaushalt spielt eine große Rolle. Beide Mineralien müssen in einem gesunden Verhältnis, (am besten ein Teil Magnesium zu zwei Teilen Kalzium), zueinander stehen sonst führt dies zu einer krampfenden Muskulatur.

Magnesium erhält man über Nüsse, Hülsenfrüchte und Vollkornprodukte. Kalzium über Milchprodukte und frisches grünes Gemüse.

Wer Schwierigkeiten hat die benötigten Mineralstoffe über natürlichen Weg zu sich zu nehmen, kann auch auf das Schüssler Salz Nr. 7 bei Magnesiummangel zurückgreifen. Oder man greift zu Nahrungsergänzungsmittel, die ein umfangreicheres Angebot an div. Mineralstoffen und Vitaminen liefern.

Wichtig!

Das Facettensyndrom ist meist eine altersbedingte Abnutzungserscheinung, die durch gewisse Faktoren begünstigt wird. Ist die Erkrankung einmal da und Schmerzen vorhanden können diese nur noch durch konservative Therapien oder Eingriffe gelindert werden. Vorbeugend kann jedoch ebenfalls viel getan werden es nicht so weit kommen zu lassen.