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Aufbau des Rückens: Ein erster Einblick

Lerne die wichtigsten Aspekte zum Aufbau des Rückens von den Wirbelkörpern über die Bandscheiben, Nerven, Sehnen, Bändern bis hin zur Muskulatur und dessen Funktion kennen. Außerdem werden mögliche Ursachen für Rückenschmerzen aufgelistet und auf weiter führenden Artikeln genauer erklärt.
Titelbild zum Artikel Aufbau des Rückens

  Lesedauer: 12 min

by Roland Späht | 18.03.2018

1. Zuerst lesen!

Was erfährst du in diesem Artikel?

Lerne die wichtigsten Aspekte zum Aufbau und der Funktion des Rückens von den Wirbelkörpern über die Bandscheiben, Nerven, Sehnen, Bändern bis hin zur Muskulatur. Außerdem werden mögliche Ursachen für Rückenschmerzen aufgelistet und in weiter-führenden Artikeln genauer erklärt.


Wie ist dieser Artikel zu lesen?

Du möchtest Dich grundsätzlich über den Aufbau des Rückens informieren?

  • Fühle Dich frei den Artikel zu überfliegen und lese was Dich interessiert.


Du hast bereits Schmerzen und möchtest Dir einen Überblick über mögliche Schmerzquellen verschaffen?

  • Lese oder überfliege den Artikel. In jedem Kapitel findest Du einen Link zu einem weiteren Überblick der entsprechenden Ursachen.

2. Aufbau des Rückens

Die Anatomie des Rückens wird im Wesentlichen von folgenden Komponenten bestimmt:

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    Wirbel
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    Gelenkverbindungen
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    Bandscheiben
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    Rückenmark
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    Äußere und innere Rückenmarkshaut
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    Spinalnerven
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    Bandappart
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    Muskulatur

3. Funktion des Rückens

Der Rücken bzw. die Wirbelsäule leistet neben einer Lastaufnahme auch erstaunliche Bewegungen.

Der Rücken bzw. die Wirbelsäule leistet neben einer Lastaufnahme auch erstaunliche Bewegungen.

Der Rücken ist nicht nur zum Tragen da.

Der Rücken spielt eine entscheidende Rolle für das aufrechte Gehen und Stehen. Die Wirbelsäule federt Erschütterungen und Stöße ab. Der Kopf und Oberkörper sowie dessen Extremitäten, werden durch die Wirbelsäule stabilisiert und getragen.

Sie ermöglicht zudem eine Rotationsbewegung des Oberkörpers. Der durch die Wirbel gebildete Wirbelkanal schützt zusammen mit der Rückenmuskulatur das Rückenmark.

Die aus dem Rückenmark austretenden Spinalnerven ermöglichen das "Ansteuern" sämtlicher Nervenbahnen im Körper. Die Muskulatur im Rücken ist ein wichtiger "Gegenspieler" als auch Unterstützer der Bauchmuskeln. Welche durch Zug, Beugung, Neigung und Drehung, Bewegungen des Oberkörpers im Zusammenspiel ermöglichen.

Die Muskeln des Brustkorbes, als auch die des Rückens, sind wichtige Komponenten bei der Atmung. Das Zusammenwirken sämtlicher Bestandteile des Rückens nimmt eine entscheidende Rolle in unserem Leben ein.


4. Die Wirbelsäule in Segmenten

Halswirbelsäule, Brustwirbelsäule, Lendenwirbelsäule, Kreuzbein, Steißbein, WirbelkörperAufbau des Rückens - die Wirbel


Die Wirbelsäule besteht aus 32 - 35 Wirbeln, ca. 23 Bandscheiben und wird in 5 Abschnitte unterteilt.

  • Halswirbelsäule (HWS) - 7 Wirbelkörper
  • Brustwirbelsäule (BWS) - 12 Wirbelkörper
  • Lendenwirbelsäule (LWS) - 5 Wirbelkörper
  • Kreuzbein - 5 verschmolzene Wirbel
  • Steißbein - 4 zurückgebildete Wirbel

Die Krümmungen der Wirbelsäule werden als Lordose bzw. Kyphose bezeichnet:

  • Halslordose
  • Brustkyphose
  • Lendenlordose
  • Sakralkyphose

Die Erkrankungen der Wirbelsäule sind sehr vielfältig und führen zu schmerzhaften Veränderungen der Wirbelsäule. Das Ergebnis sind meist chronische Schmerzen. Allerdings werden Beschwerden in 90% der Fälle von muskulären Verspannungen hervorgerufen und können leicht behandelt werden.


5. Innerer Aufbau der Wirbelsäule

Der nachfolgende Abschnitt beschreibt die wesentlichen Bestandteile der Wirbelsäule und dessen Aufgaben.

Die Darstellung zeigt Wirbel, das Rückenmark, den Spinalnerv und die Bandscheibe

Wirbel und innen liegendes Rückenmark, Spinalnerv, Bandscheibe

Eigenschaften und Aufgaben des Rückenmarks sowie der Spinalnerven

Das Rückenmark verläuft im sogenannten Spinalkanal, der durch den Wirbelkörper und den Wirbelbogen der einzelnen Wirbel entsteht. Außerdem wird das Rückenmark durch eine harte Außenhaut und Innenhaut geschützt. Die sogenannten Spinalnerven verbinden das periphere Nervensystem (Körpernerven) mit dem zentralen Nervensystem (Gehirn und das Rückenmark).

Somit sind die Spinalnerven das zentrale "Verteilungssystem", welches sowohl Signale von den im Körper verlaufenden Nervensträngen ans Gehirn weiterleitet, als auch Signale vom Gehirn an z.B. an unsere Muskeln sendet, damit diese eine Bewegung ausführen.

Wird das Rückenmark durchtrennt kommt es zu einer Querschnittslähmung und die Nerven unterhalb der Durchtrennung können dann weder Signale erhalten, noch an das Hirn senden. Sprich Muskelbewegungen und Empfindungen, z.B. durch eine Berührung, können nicht durchgeführt bzw. wahrgenommen werden.


Wirbelkörper und Wirbelbogen

Die Hauptaufgabe der Wirbelkörper ist die eigentliche Stützfunktion der Wirbelsäule. Zusammen mit den Bandscheiben bilden sie die Stütze von Kopf, Armen und Rumpf.

Die Wirbelbögen bilden den Wirbelkanal in dem das Rückenmark verläuft und so geschützt ist. Zudem ermöglichen die Facettengelenke eine Krümmung der Wirbelsäule.

Funktionsweise und Aufbau der Bandscheibe 

Die Bandscheibe ist der sogenannte "Stoßdämpfer" der Stöße auf die Wirbelsäule z.B. beim Hüpfen abfedert. Außerdem sorgen sie für eine gleichmäßige Druckverteilung auf die Wirbel und schränken die Bewegungsfreiheit der Wirbelsäule ein. Das ist mit einer Schutzfunktion vor dem Überstrecken gleichzustellen.

Die Bandscheibe besteht aus einem gallertartigen Kern und einem Faserring aus knorpeligem Bindegewebe und wird von oben sowie von unten durch die Wirbelkörper umgeben.

Bandscheibe mit Faserring und gallertartigem Kern auf Wirbelkörper

Sie besteht aus einem gallertartigen Kern und einem Faserring aus knorpeligem Bindegewebe und wird sowie Wirbelkörper umhüllt. Die Elastizität der Bandscheibe wird maßgeblich von dem Wassergehalt beeinflusst.

Im Laufe des Tages nimmt dieser unter Belastung in Form von Sitzen, Stehen oder sonstiger körperlicher Anstrengung durch Abgabe an das umliegende Gewebe ab.

Durch die Entlastung während des Schlafens oder Liegens regeneriert sich die Bandscheibe wieder und der Wassergehalt nimmt zu. Außerdem wird sie währenddessen zusätzlich mit Nährstoffen versorgt.


Funktionsweise des Facettengelenks

Die Facettengelenke bilden durch die obere und untere Gelenkhälfte ein echtes Gelenk welches eine Krümmung und Beugung der Wirbelsäule erlaubt.

Darstellung der Facettengelenke am Wirbelbogen

Das obere und untere Facettengelenk bilden zusammen, wie der Name schon sagt, ein voll funktionsfähiges Gelenk. Diese aufeinander gleitenden Gelenkhälften ermöglichen das Beugen bzw. Strecken des Oberkörpers.

Hier können bei starker Beanspruchung oder im Alter Abnutzungserscheinungen auftreten welche zu einem verringerten Abstand zwischen Wirbelkörpern führt. Das kann auch durch Arthrose oder Arthritis entstehen und nennt sich dann Facettensyndrom.

Dies führt dann mitunter zu starken Schmerzen durch Nervenschädigungen meist im Lendenwirbelbereich, wo diese Art der Krankheit am häufigsten auftritt.


Wichtig!

Das Wissen über die Segmente und den inneren Aufbau der Wirbelsäule ist wichtig um zu verstehen wo vor allem spezifische Erkrankungen entstehen, welche dann auch diagnostizierbar sind.


6. Der Bandappart und dessen Aufgaben

Der Bandapparat wirkt wie ein Korsett, es stabilisiert die Wirbelsäule und schränkt die Beweglichkeit ein. Dadurch beugen die Bänder Schädigungen durch extreme Bewegungen vor.

Die Wirbelsäule wird durch folgende Bandstrukturen stabilisiert.

Die Bänder dienen der Stabiliesierung und schränken die Bewegungsgrade der Wirbelsäule ein.

Der Bandapparat der Wirbelsäule wirkt wie ein Korsett

Das vordere Längsband (ligamentum longitudinale anterius) und hintere Längsband (ligamentum longitudinale posteruis) verlaufen wie eine Art Klebestreifen fast über die komplette Länge. 

Das gelbe Band (ligamentum flavum) ist eine elastische Verbindung zwischen zwei benachbarten Wirbelbögen. Es begünstigt das Aufrichten der Wirbelsäule. Über die Dornfortsätze hinweg zieht sich das Dornforsatzband (ligamentum supraspinale).
Das Zwischendornfortsatzband (ligamentum interspinale) liegt zwischen zwei benachbarten Dornfortsätzen.

Schädigungen an den Bandstrukturen entstehen neben verletzungsbedingten Beeinträchtigungen auch durch Krankheiten. Dazu gehören chronische Überlastung und entzündliche Erkrankungen wie Morbus Bechterew.


7. Rückenmuskulatur

Neben dem passiven System (Wirbelsäule) gehören die Muskeln, wie auch der Bandapparat, zum aktiven System der Stabilisierung des Rückens. Die Rückenmuskulatur ist ein komplexes Gebilde welches durch Signale des Gehirns das Rückgrat optimal stützt.

Neben dem passiven System und gehören die Muskeln zum wie auch der Bandappart zum aktiven System zur Stabilisierung der Wirbelsäule

Eine gute Rückenmuskulatur ist wichtig um langfristig Schmerzen zu vermeiden.

Und genau diese eigentlich sehr wichtige und positive Eigenschaft verursacht ca. 85% bis 90% der Rückenschmerzen. Fehlhaltungen und schwache Muskelpartien führen häufig zu Anspannungen in den Muskeln, die versuchen diese Fehlhaltung auszugleichen.

Auf Dauer führt dies häufig zu Verspannungen, die sich mit der Zeit zu Verhärtungen entwickeln und damit zu Triggerpunkten werden. Dies kann sogar zu chronischen Schmerzen führen, wenn sie sich über einen längeren Zeitraum im Schmerzgedächtnis manifestieren.


Faszien

In den letzten Jahren wird den Faszien eine immer größer werdende Bedeutung im Zusammenhang mit Rückenschmerzen zugeschrieben.

Die Faszien oder auch Muskelhaut genannt durchziehen den ganzen Körper und bilden dadurch eine Art Spannungsnetzwerk welches jeden Muskel umhüllt.

Die Faszien sind eine Art Bindegewebe welches den ganzen Körper wie eine Art Spannungsnetzwerk durchzieht.

Die Faszien oder auch Muskelhaut genannt durchziehen den ganzen Körper und bilden dadurch eine Art Spannungsnetzwerk welches jeden Muskel, die Organe und Zellen umhüllt. Vergleichbar ist das mit einem Spinnennetz welches den gesamten Körper durchzieht.

In unserem Fall sprechen wir von den "tiefen Faszien", welche die Muskeln, Knochen, Nervenbahnen und Blutgefäße des Körpers durchdringen und umschließen. Sie sind in der Lage sich aktiv zu kontrahieren oder zu entspannen.

Unser heutiges alltägliches Leben führt dazu, dass wir bis zu 12h am Tag im Sitzen verbringen. Eine solche Situation ist seit jeher für den menschlichen Körper nicht vorgesehen.

Dies führt über kurz oder lang zu einer Verkürzung der Faszien im Beckenbereich, welche dann Spannungen im Körper auslösen. Auch mangelnde Bewegung führt zu verklebten Faszien, welche unter Umständen auf Nerven drücken und dann Schmerzen verursachen.

Erkrankungen der Muskulatur und des Bindegewebes entstehen über einen längeren Zeitraum und sind häufig das Ergebnis von einer "Nicht-Behandlung" der anfänglich leichten Symptome.

Wichtig!

Die Muskulatur, das Bindegewebe und die Psyche führen meist zu unspezifischen Rückenschmerzen und machen in Summe 90% der Leiden aus.


8. Psyche

Die psychosomatischen Einflüsse auf Rückenschmerzen sind meist unterschätzt und werden selten damit in Verbindung gebracht. Besonders die Faktoren Stress oder Depressionen können langfristig gesehen zu chronischen Rückenleiden führen.

Stress und mögliche damit verbundene Depressionen führen meist zu einer Verstärkung von Schmerzen.

Psychische Faktoren verschlimmern meist das Schmerzempfinden.

Psychosomatische Einflüsse und Schmerzen gehen meist zusammen einher. Stress zum Beispiel hat einen direkten Einfluss auf unsere körperlichen Reaktionen. Dies trifft häufig "Perfektionisten", denn diese reagieren mit Stress auf hohe Arbeitslast und neue Herausforderungen im beruflichen Alltag.

Der Körper zeigt im muskulären Bereich einen höheren Anspannungsgrad, der auch über Stunden hinweg beibehalten wird. Dies führt dann nach dem Arbeitstag unweigerlich zu Nacken- und/oder Rückenschmerzen. Wird dieser Zustand über einen längeren Zeitraum nicht verlassen und nichts gegen die Verspannungen unternommen können Verhärtungen der Muskulatur entstehen.

Ein zweiter Aspekt ist die eigene Psyche, die sogenannten "Vermeider" reagieren äußerst empfindlich auf Schmerz und sind in einer ständigen Erwartungshaltung, dass der Schmerz jetzt eintreten könne. Diese Menschen haben ein deutlich höheres Schmerzempfinden was zu Fehlhaltungen führt.

Der dritte Punkt betrifft Patienten in Trauer, Kummer oder gar mit Depressionen. Die emotionale Seite des Schmerzes führt in Zusammenhang mit psychischer Labilität in einen Teufelskreis und somit in eine Abwärtsspirale die in dieser Kombination zu immer stärker werdenden Leiden führt.

Psychosomatische Erkrankungen und psychosoziale Einflussfaktoren nehmen bei der Bedeutung von Rückenschmerzen in den letzten Jahren immer weiter zu.

Wichtig!

Die Psyche spielt eine immer größer werdende Rolle in der Schmerztherapie. Somit sind Entspannungsübungen und Stressreduktion eine wichtiger Bestandteil auf dem Weg zur Genesung.


9. Zusammenfassung

Der Rücken ist ein sehr komplexes Gebilde und die Entstehung von Rückenschmerz kann verschiedenste Ursachen haben, die jedoch zu 90% nicht spezifisch und somit nur schwer diagnostizierbar sind. Das Zusammenspiel von Wirbeln, Nerven und Muskeln machen eine Diagnose überaus schwierig und die daraus entstehenden Schmerzen und Symptome können von Kopfschmerzen bis hin zu Lähmungserscheinungen in den Beinen führen.

Die verfügbaren Behandlungsmöglichkeiten und Hilfen bei Rückenschmerzen bieten ein breites Spektrum von schulmedizinischen, über aktive wie auch passive alternative Maßnahmen.