Nervenschädigungen (Neuralgien) – Ursachenüberblick | backlaxx®

Neuralgie – Nervenschmerzen

Die in diesem Artikel kurz beschriebenen Erkrankungen lösen Nervenreizungen oder -schädigungen (Neuralgien) aus. Manche davon sind gut behandelbar andere wiederum nicht. Bei jeder Kurzbeschreibung findest du einen Bildlink zu einem detaillierten Erklärung des Krankheitsbildes.
Nervenkompression führt Dauerhaft zu Nervenschädigungen. Dies äußert sich durch Schmerzen bzw. neurologische Auffälligkeiten.

  Lesedauer: 10 min  - je Ursache ca. 1 min

by Roland Späht | 16.04.2018

1. Zuerst lesen!

Was erfährst Du in diesem Artikel?

Die Ursachen für Rückenschmerzen sind sehr vielfältig und teilweise nur schwer z. B. durch bildgebende Verfahren zu diagnostizieren. In diesem Artikel findest du eine Übersicht möglicher Krankheitsbilder, die zu einer Schädigung der Nerven führen können. Klicke auf den Bildlink, der führt Dich zu einem detaillierten Artikel der Erkrankung.


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2. Eingeklemmter Nerv

Der Begriff eingeklemmter Nerv ist an der Stelle etwas irreführend, es bedeutet nicht dass ein Nerv irgendwo "festsitzt". Vielmehr wird Druck auf ihn ausgelöst, der zu einer Reizung oder Entzündung führt.

Dies macht sich durch einen stechenden, brennenden Schmerz im Kreuz oder Nacken bemerkbar und kann teilweise auch zu Taubheit in den Armen oder Beinen führen. Der häufigste Grund sind Muskelverhärtungen, die auf einen Nerv drücken und z. B. durch Fehlhaltungen ausgelöst werden. Weitere Ursachen können

Verhärtete Muskulatur die oft durch Fehlhaltungen verursacht wird ist der Hauptgrund für einen eingeklemmten Nerv. Durch die Verhärtungen wird Druck auf den z. B. Spinalnerven ausgeübt.

3. Ischialgie

Eine Lumboischialgie wird meist durch einen Bandscheibenvorfall zwischen dem vierten und fünften Lendenwirbel ausgelöst und bereitet neben den Schmerzen in der Lendenwirbelsäule auch ausstrahlenden Schmerzen in die Beine.

Die Ischialgie oder Ischiassyndrom genannt, bezeichnet eine Reizung der Nervenwurzel (Radikulopathie) zwischen dem Steißbein und dem 4. und 5. Lendenwirbel. Der dabei betroffene Nervus ischiadicus, der sogenannten "Ischias", führt dann zu Schmerzen im unteren Rücken, der bis in die Füße ausstrahlen kann.

Eine Ischialgie ist ein Sonderfall eines eingeklemmten Nervs, weil eben dabei der Ischiasnerv betroffen ist. Er ist, abhängig von der Körpergröße bis zu zwei Meter lang und Daumendick. Somit ist er der größte Nerv im menschlichen Körper. Der häufigste Grund für eine Ischialgie ist ein Bandscheibenvorfall im unteren Brust- oder oberen Lendenwirbelbereich. Weitere Gründe sind muskuläre Verhärtungen oder Gleitwirbel.

Eine weitere bekannte Form ist die Lumboischialgie, sie setzt sich aus den Begriffen Lumbalgie (Hexenschuss) und Ischialgie zusammen. Die Lumbalgie oder auch Lumbago genannt entsteht durch überstrapazierte Bänder und Muskeln die bei einer unnatürlichen Bewegung blockieren.


4. Radikulopathie

Spricht man von einer Radikulopathie ist eine Schädigung oder Reizung von Nervenwurzeln gemeint. Bezieht man dies auf den Rücken sind hauptsächliche die Spinalnerven betroffen. Ursachen können unter anderem folgende sein:

Die Spinalnerven können durch verschiedenste Ursachen in Mitleidenschaft gezogen werden, dazu gehören ein Bandscheibenvorfall, Infektionen oder Metastasen.
  • Borreliose - entzündliche Nervenreizungen die durch das Bakterium Borrelia burgdorferi verursacht wird
  • Gürtelrose - das Varizella-Zoster-Virus verursacht eine körpereigene Abwehrreaktion an den befallenen Nervenzellen, die dann zu Schmerzen führen können
  • Hämatome (Einblutungen)
  • Bandscheibenvorfall
  • Abszesse aufgrund von Infektionen (Spondylitis)
  • Tumore - Metastasen

5. Bandscheibenvorfall

Beim klassischen Bandscheibenvorfall oder auch medizinisch Diskusprolabs genannt bricht der äußere Faserring. Dabei tritt gallertartige Flüssigkeit (Nucleus pulposus) innerhalb der Bandscheibe aus und übt Druck auf die Spinalnerven aus. Hauptgründe sind

Wenn der Fasserring geschwächt ist oder bricht drückt die sich in der Bandscheibe befindliche gallertartige Flüssigkeit auf einen Spinalnerv, der dann starke einschießende Schmerzen auslöst.
  • verkürzte Faszien durch tägliches langes Sitzen,
  • Schweres bzw. falsches Heben,
  • dauerhafte Fehlhaltungen.

Örtlich tritt ein Bandscheibenvorfall vorwiegend in der Lendenwirbelsäule auf, darüber hinaus kommt er auch im Bereich der Halswirbel vor. 

Dabei unterscheidet man drei Fälle:

  • Protrusion: Vorwölbung des Faserrings
  • Prolaps: Bruch des Faserrings und Austritt von Bandscheibenflüssigkeit
  • Sequester: Bruch des Faserrings und Teile der Bandscheibenflüssigkeit verlieren die Verbindung zur ursprünglichen Bandscheibe

6. Wirbelgleiten

Es gibt zwei Hauptgründe für das Wirbelgleiten (Gleitwirbel) oder medizinisch auch Spondylolisthese genannt, welches häufig im Lendenwirbelbereich stattfindet.

Ein Wirbelgleiten entsteht häufig aufgrund von degenerierten Bandscheiben und instabilen Facettengelenken.

Zum einen es die isthmische Form der Spondylolisthese, das sind instabile Wirbelgelenke, die sich dann leicht verschieben lassen. Hierzu muss sich zwischen den Gelenkflächen der Facettengelenke ein Spalt bilden (Interartikularportion). Somit entsteht eine höhere Beweglichkeit des Gelenks und die Wirbel können verrutschen.

Eine weitere häufige Ursache sind Abnutzungsprozesse, auch degenerative Form genannt, der Bandscheibe. Diese flachen durch eine ständige einseitige Belastung wie langes Sitzen oder schweres Heben ab.

Dadurch kann die Bandscheibe bei Druck keine Spannung aufbauen und nicht zur Stabilität der Wirbelkörper beitragen was zu einem Gleitwirbel in dem Bereich führen kann.

Verstärkt wird diese Situation noch von einer schwachen Rückenmuskulatur die diese Instabilität nicht ausgleichen kann.

Seltenere Gründe für einen Gleitwirbel sind

  • Wirbelfrakturen durch Gewalteinwirkung - traumatische Form,
  • fehlgebildeter Übergang zwischen dem letzten Lendenwirbelkörpern und dem Kreuzbein (Wirbelsäule) - dysplastische Form
  • Knochenerkrankungen wie Osteoporose - pathologische Form.

Neuere Erkenntnisse vermuten eine Verkürzung des Hüftbeugers durch langes Sitzen. Dieser Muskel ist an den oberen 4 Lendenwirbeln angewachsen und zieht dann beim Stehen an diesen, was dann wandernde Wirbel zur Folge hat.

Im schlimmsten Fall kann ein Gleitwirbel zu einer Spinalkanalstenose führen.


7. Spinalkanalstenose

Die Spinalkanalstenose beschreibt eine Verengung des Wirbelkanals durch welchen das Rückenmark verläuft. Dies tritt meist bei älteren Menschen, ab 60 Jahren auf und ist ein altersbedingter Verschleiß der Wirbelsäule. Dabei unterscheidet man angeborene und erworbene Ursachen die zu einer Verengung führen können.

Dazu gehören:

Bei einer Spinalkanalstenose oder auch Wirbelkanalverengung wird speziell bei der Bildung eines Hohlkreuzes starker Druck auf das Rückenmark ausgeübt, was zu starken Schmerzen führt.

8. Wirbelsäulentumor

Nur jede 100. Krebserkrankung geht auf einen Knochentumor/-metastase zurück. Davon entstehen ca. 40% im Bereich der Wirbelsäule. Somit ergibt sich die Wahrscheinlichkeit, dass die Ursache für Rückenschmerzen aufgrund von Krebs unter 0,1% liegt. D. h. nur jeder 1000. Rückenschmerzpatient weist einen Wirbelsäulentumor auf.

Metastasen, die aus einem Prostatakarzinom, einem Bronchialkarzinom (Lungenkrebs), Brustkrebs oder einem Nierenzellenkarzinom (Nierenkrebs) entstehen sind die häufigsten Ursachen für einen Knochentumor im Bereich der Wirbelsäule.

Dabei unterscheidet man zwei grundsätzliche Kategorien:

  • 10% sind primäre Wirbelsäulentumore, diese gehen direkt vom Knochengewebe aus (Knorpel, OsteoblastenOsteoklasten)
  • 30% sind sekundäre Wirbelsäulentumore, also Metastasen und somit ursprünglich an einer anderen Stelle entstanden. Die eigentliche Ursache bei sekundären Wirbelsäurentumoren ist ein Prostatakarzinom, Mammakarzinom (Brustkrebs), Bronchialkarzinom (Lungenkrebs), malignes Melanom Hautkrebs oder Nierenzellenkarzinom (Nierenkrebs).

Die häufigsten primären Varianten sind das

  • Plasmozytom - bösartig,
  • Hämangiom gutartig, 
  • Osteochondrom - gutartig.

Rückenschmerzen sind das häufigste Anzeichen für einen Knochentumor und treten meist dort auf, wo sich die Metastase oder der Tumor eingenistet hat. Die Ursache der Schmerzen kommt von der Schädigung der Nerven und Knochenhaut.

Wichtig!

Ausgenommen von Knochentumoren ,sind Erkrankungen der Wirbelkörper gut behandelbar und werden oftmals durch Muskelverspannungen ausgelöst. Die können durch gezielte Maßnahmen wie Bewegungstherapie, Massagen und Entspannungsübungen verhindert werden.